Augustin Namounou, einer der Freunde von JG und Zeuge seines Lebens und Wirkens in Bombouaka schreibt:

"Am stärksten in der Erinnerung der Menschen von Bombouaka hat sich die „Pilgerfahrt in den Fussstapfen von Joseph“ eingeprägt, welche eine Vertretung des Stiftungsrats im Jahr 2004 unternommen hat. Ein Sprichwort der Moba (die Hauptethnie in der Gegend von Bombouaka) sagt: "Es sind die Füsse, die die Freundschaft tragen". Wenn man jemanden nicht mag, geht man nicht zu ihm.

1.    Wasser ist Leben!
Die Stiftung hat die Sanierung des Stausees von Bombouaka finanziert. Dieser Stausee rettet Leben – sowohl von Menschen wie von Tieren. Monsieur Joseph nannte sein Haus in der Nähe des Stausees “Hotel Barrage”; dort gab es Bier, gute Musik und vieles mehr, alles gratis. Das Haus hätte auch „Zum guten Samariter“ heissen können. 
  • Mit Hilfe der Stiftung wurden Wasser – Leitungsmauern im Dorf und Umgebung gebaut, um die Häuser zu schützen und das Wasser zum Stausee zu leiten.
  • Drei Brunnen wurden in den Dörfern Nadjoundi, Kombonlouaga und Gando ausgehoben.
  • Die Stiftung finanzierte die Sanierung der Wasserbohrung im Zentrum für körperlich Behinderte von Bombouaka.
    Mit all diesen Projekten führte die Stiftung die Arbeit von Monsieur Jo zur Verbesserung der Wasserversorgung fort, durch welche eine wichtige Krankheitsquelle beseitigt wird.
2.    Die Gesundheit
Während einer Ernährungskrise in der Region (und in den benachbarten Ländern des Sahel - Gürtels) wurde mit Mitteln der Stiftung ein Hilfsfonds unter dem Namen „Totl“ gespiesen, das heisst „Hilfe“. 
Dieser Fonds, der inzwischen leider versiegt ist, erlaubte es uns, während der Krise vielen Hungernden, Kindern und Kranken zu helfen. Hunger ist bei uns eine Form von Krankheit.
 
3.    Lebensfreude
Monsieur Jo war jemand, der die Feste liebte. Man könnte sagen, dass jeder Tag für ihn ein Fest gewesen war! Im Dorf organisierte er oft Feste und Überraschungsparties. 
Die Stiftung schickt jedes Jahr eine Summe Geld, um Freunden von Monsieur Jo und bedürftigen Familien kleine Weihnachtsgaben zu überreichen, damit sie ein schönes Fest verbringen und sich an Monsieur Jo erinnern können. Diese symbolischen Geschenke bringen viel Freude ins Dorf - eine Geste, die für sich spricht.
 
4.    Sport
Ganz im Geiste von Monsieur Jo brachte die Besuchsgruppe der Stiftung Fussbälle mit und schenkte sie der Jugend im Dorf. Es war Ironie des Schicksals, dass sich an der Fussball - WM damals ausgerechnet die Schweiz und Togo gegenübertreten sollten!
 
5.    Kultur und Bildung
Monsieur Joseph war ein echter Pädagoge. Er liebte die Lektüre und den Film und versuchte, der Dorfjugend etwas Kultur zu vermitteln. Er besass neben seiner Super8 - Kamera einen Projektor, mit dem er abends im Dorf Filmforführungen gab. Er las regelmässig unsere Monatszeitschrift „Laafia“, deren Leitspruch „Informieren - Bilden - Entfalten“ und Inhalt er sehr schätzte.
Die Stiftung hat der Redaktion der „Laafia“ die Anschaffung einer neuen technischen Ausrüstung ermöglicht. Das Dach der Jugendbibliothek konnte mit ihrer Hilfe repariert werden. Sie führt Monsieur Jo‘s Arbeit auch in diesem Bereich fort.
 
6.    Erziehung, Berufs- und Schulbildung
Monsieur Joseph hatte vielen Kindern den Schulbesuch ermöglicht und sie unterstützt. Einige dieser Kinder waren beruflich erfolgreich und haben heute an verschiedenen Orten Kaderstellen inne. Ich selber konnte seine Hilfe erfahren und meine heutige Stellung (als Generalvikar des Bistums Dapaong, Anm. d. Übers.) ist ein Ergebnis dieser Unterstützung.  

Die Stiftung Joseph Gnädinger führt auch diese Arbeit von Monsieur Jo weiter und leistet wertvolle Hilfe an die hiesige Jugend. Sie zahlt Beiträge für die Schülerhilfe, die wir den Schülerzahlen entsprechend an die Pfarreien verteilen. Die verantwortlichen Priester und Laien von der OCDI (Organisation pour la Charité et le Développement Intégral) suchen die hilfsbedürftigsten Schüler/innen aus und helfen ihnen entweder beim Bezahlen des Schulgeldes, der Mahlzeiten, des Unterrichtsmaterials oder der Schuluniform. Im Gegenzug leisten die Schüler eine kleine Arbeit in ihrem Dorf. Auf diese Weise können sie sich den Zustupf selber verdienen, was ihr Selbstwertgefühl fördert und dem Müssiggang und der Passivität entgegenwirkt. Im Rahmen dieses Projekts können etwa folgende gemeinnützige Arbeiten ausgeführt werden:

  • Bäume pflanzen, um Erosion und Wüstenbildung aufzuhalten - Öffentliche Wege im Dorf pflegen    
  • Ausästen von Bäumen zur Pflege und Holzgewinnung
  • Arbeiten auf einem Feld auf Gemeindeland, dessen Erlös der Gemeinschaft zugute kommen
  • Säubern der öffentlichen Plätze in den Pfarreien und Dörfern
  • alten oder geschwächten Personen bei der Feldarbeit helfen

Die Arbeiten werden dem Alter und der Konstitution der Kinder entsprechend vergeben, sie dürfen nie die Kräfte der Kinder bzw. Jugendlichen übersteigen. Bei diesem Projekt wird die Charta der Kinderrechte streng befolgt. Die von der Stiftung mitgetragene Schüler:innenhilfe hat viele positive Effekte: Sie ermöglicht einer grossen Zahl von Schulkindern regelmässigen Schulbesuch, was die wichtigste Voraussetzung ist, um richtig Lesen und Schreiben zu lernen, mündige Bürger:innen zu werden und schliesslich das Land in eine demokratische Zukunft zu führen. Sie wirkt der Gefahr von Kinderhandel entgegen. Diese ist in unserer Region akut, weil vielen Eltern die Mittel fehlen, um ihre Kinder zur Schule zu schicken. Um zu überleben, vermieten oder verkaufen sie die Kinder an vermögende Leute, meist für sehr bescheidenes Entgelt. Es handelt sich um eine Form der Sklaverei, bei den Mädchen gibt es auch Zwangsheirat oder den Gang in die Prostitution. Sie fördert die soziale Integration und den Gemeinschaftssinn bei den Kindern und Jugendlichen, die durch ihre soziale Lage der Gefahr der Marginalisierung und Isolation ausgesetzt sind. Zudem verrichten die Schüler/innen für die Dorfgemeinschaften sehr nützliche Arbeiten. Die Unterstützung der Stiftung für den Schüler:innen - Hilfsfonds sind ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen Analphabetismus und Armutsverwahrlosung. Wir hoffen auf weitere Unterstützung für dieses wichtige Projekt. 

Ebenso sinnvoll wie die Hilfe für Schulkinder ist die Unterstützung von Lernenden, deren Familien sich in schwieriger Lage befinden und ihre Ausbildung nicht mehr bezahlen können; dies hilft auch den Handwerksbetrieben und dem Kleingewerbe.
Monsieur Jo hatte die Absolvent:innen des Katecheten- Ausbildungszentrums (CFC, Centre de Formation des Cathechistes) selber in verschiedenen handwerklichen Fächern unterrichtet. Auf dieser Grundlage hat das Dorfkomité „Joseph Gnädinger“ ein Projekt zur Erneuerung dieses Zentrums entworfen. Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das die Einrichtung einer Schule für handwerkliche Berufe zum Ziel hat. Das Komité hat den Projektentwurf vor einiger Zeit an die Stiftung gesandt. Mir scheint dieser Vorschlag etwas gross angelegt zu sein im Vergleich zur bisherigen Tätigkeit der Stiftung, ich möchte mich aber einer Beurteilung enthalten.
Ich schliesse mit einem Dank aus tiefsten Herzen für alles, was ihr für uns tut! Meine ganze Bewunderung und Anerkennung gilt der Hingabe, mit welcher jede und jeder von euch sich für die Erinnerung an Joseph und sein Werk einsetzt, worüber er sich dort oben bestimmt auch freuen und es uns auf seine Art vergelten wird."
 
Übersetzt von Barbara und Vladimir Bajc-Gnädinger im Juli 2007